Flugschule Sky Club Austria, First international Paragliding School
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Stellungnahme zum Absturz eines Paragleiters vom 16.6.2018 in den Hallstättersee.

Am 16.6.2018 stürzt die Pilotin Yuk Wah Chung (42) aus Hongkong während eines Sicherheitstrainings in den Hallstättersee. Ihren eigenen Angaben nach war sie eine erfahrene Pilotin mit Wettbewerbserfahrung. Nach Auskunft des Fluglehrers hatte die Pilotin in ca. 400 m über der Wasserfläche eine Steilspirale eingeleitet um das Ein- und Ausleiten zu üben. Die Steilspirale war korrekt eingeleitet worden. Nach ein paar Umdrehungen forderte der Fluglehrer die Pilotin auf die Steilspirale auszuleiten. Als keine Anzeichen erkennbar waren, dass die Pilotin versuchte, die Steilspirale aktiv auszuleiten, forderte der Fluglehrer die Pilotin über Funk wiederholt mit immer lauter werdender Stimme auf, das Rettungsgerät zu werfen. Seitens der Pilotin erfolgte keine Reaktion. Sie stürzte in der Steilspirale mit hoher Geschwindigkeit in den See.  

Die Pilotin wurde innerhalb 1-2 Minuten von der bereitstehenden Wasserrettung aus dem See geborgen und da sie augenscheinlich verletzt war, ein Rettungshubschrauber vom Boot aus alarmiert. Die Verunfallte wurde in die LKH Salzburg geflogen. 

Paragleiter: Ozone Swift XS 

Ursache des Flugunfalles: Steilspirale nicht ausgeleitet, Rettungsfallschirm nicht ausgelöst. 

Erfahrungen aus dem Sicherheitstraining

Sky Club Austria

Beim Gleitschirmfliegen wird das Fluggerät aus  dem Gleitschirm, dem Gurtzeug und dem Piloten gebildet.

Beim Gleitschirmfliegen wird daher das Flugverhalten nicht durch den Gleitschirm alleine, sondern erst durch die Gesamtheit von "Gleitschirm – Gurtzeug - Pilot" bestimmt.

Jede Zusammenstellung ergibt ein eigenes, einzigartiges Fluggerät mit einem eigenen Grenzflugverhalten.

Das persönliche Sicherheitstraining ist daher durch nichts zu ersetzen.

Walter Schrempf

Workshop-Safety Training für aktuelle Hochleister

8.-9. August 2014

Wir entwickelten im Rahmen einer für alle Beteiligten hochinteressanten Fachdiskussion gemeinsam ein auf Pilot und Gerät abgestimmtes Sicherheitstrainingsprogramm unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse.

Mitglieder der Fachdiskussion waren der Xalps Teilnehmer und Profi-Testpilot Christian Amon, der Fluglehrer, Acro- und Ice-Peak Pilot Stefan Rupp, die Sicherheitstrainer Walter Schrempf und Stefan Morocutti, sowie die begeisterten Niviuk Peak Piloten Markus und Thomas Tranninger..

stefan
Stefan Morocutti
Stefan Rupp

Hier die wichtigste Erkenntnis: 

Moderne Zweileiner Schirme sind wunderschön zu fliegen und sehr klappstabil. Aber wenn sie einklappen sollte der Pilot zur Störungsbehebung den Fullstall beherrschen.

Unsere Empfehlung:

1. Sicherheitstraining mit konventionellem Gleitschirm.

2. Selbständiges Fullstall Training mit konventionellen, einfachen Gleitschirmen.

3. Fullstall Training mit dem Zweileiner bis zur Perfektion..

Walter Schrempf im Interview mit Ben Liebermeister  DHV-Info

Ben: Umschreibe bitte in kurzen Worten Deine Philosophie:

Wir sind ein „Professional Safety Trainingscenter“. Wir sind mit der aktuellen Gerätetechnik up to date. Alles was ein Gleitschirmpilot in Bezug auf Flugtechnik und Sicherheit wissen möchte, kann er bei uns unter optimalen Rahmenbedingungen erfahren, lernen und üben.

Ben: Ab welchen Ausbildungslevel macht ein Sicherheitstraining Sinn?

Ich kenne keinen Ort in dem sich ein Gleitschirmpilot das handwerkliche Geschick für sicheres Fliegen schneller und gefahrloser aneignen kann, als im Rahmen des Sicherheitstrainings. Ein Sicherheitstraining kann man daher nicht früh genug besuchen. Der ideale Zeitpunkt für das erste Sicherheitstraining wäre gleich nach dem Kauf der ersten eigenen Flugausrüstung.

Ben: Welche Manöver oder Flugfiguren haben sich als Trainingsschwerpunkte herausgestellt? Wo haben die meisten Piloten Defizite?

Ein Sicherheitstrainingsprogramm wird auf die Wünsche des Piloten und die Bedürfnisse der Flugausrüstung abgestimmt. So entsteht bei jedem Teilnehmer ein individuelles Trainingsprogramm mit individuellen Schwerpunkten. Diese müssen dann während des Trainings dem Übungserfolg angepasst werden.
Aber es gibt natürlich auch ein standardisiertes Programm mit standardisierten Schwerpunkten. Bei Piloten mit neuem Gleitschirm gehört auf jeden Fall zu einem Sicherheitstraining den für Pilot und Gerät am besten geeigneten Schnellabstieg herauszufinden. Die Manöver dazu sind Spiralen, Big-Ears, B- und C-Stalls. Bei Piloten mit Liegegurtzeugen sind zum Beispiel Übungen zur Vermeidung von Twist standardisierter Schwerpunkt. Schwerpunkt im Sicherheitstraining ist natürlich auch, möglichst jedem Teilnehmer den grundsätzlichen Bewegungsablauf auf Kappenstörungen zu vermitteln bzw. in Erinnerung zu rufen. Die Manöver dazu sind alle Formen von Segeleinklapper, bzw. Flugmanöver, die zu Segeleinklappern führen, wenn der Pilot nicht eingreift.
Defizite gibt es bei Lernenden naturgemäß überall, denn „Können“ ist und bleibt nun mal das Resultat aus „Wissen mal Übung“. Das hauptsächliche und alle Gleitschirmpiloten gleichermaßen betreffende Defizit liegt beim Umgang mit Kappenstörungen wohl immer im Timing: Wann Bremsen, wann nicht.


Ben: Die Schirmentwicklung hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. „Ohne Stäbchen geht nichts mehr“ sagt uns die Werbung. High-End-B-Geräte haben eine Leistung wie Hochleister vor wenigen Jahren. Welche Erfahrungen habt Ihr mit den aktuellen Schirmen gemacht?

Die Flugleistung steigt jedes Jahr. Damit leben wir seit 25 Jahren. Im Sicherheitstraining wirkt sich das nicht unbedingt nachteilig aus. Geprüfte Gleitschirme sind trotz gestiegener Leistung beherrschbare Gleitschirme mit einem überschaubaren Extremflugverhalten geblieben. Die stetig steigende Flugleistung wird für manche Piloten eher im praktischen Flugbetrieb zum Problem. Nicht runterkommen können, Landeplatz wird zu klein usw. usw.
Im Sicherheitstraining haben wir mit den neuen Schirmen bis jetzt noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, auch nicht mit den Stäbchenschirmen. Doch das eher deshalb, weil wir dank guter Kontakte zu Herstellern und Testpiloten vorbereitet waren. Richtig eingeleitet, blieben die im Training provozierten Flugmanöver von den Teilnehmern daher auch mit den Stäbchenschirmen durchwegs beherrschbar.


Ben: In Betriebshandbüchern raten Hersteller z.T. ab, mit den Schirmen ein Sicherheitstraining oder bestimmte Manöver eines Trainings zu absolvieren. Was haltet Ihr davon?

Im Zeitalter von YouTube ist das verständlich, denn nicht in allen Sicherheitstrainings wird mit dem nötigen Hintergrundwissen, dem daraus resultierenden Mangel an Vorstellungskraft und Respekt vor Neuem trainiert. Wenn ein Pilot bei einem Schirm mit langen Stäbchen mit roher Gewalt einen großflächigen Einklapper herunterreißt, ist das was kommt, in den seltensten Fällen eine gute Werbung für den Hersteller.
Einem Gleitschirmpiloten deswegen vom Sicherheitstraining abzuraten oder zu empfehlen, bestimmte Manöver dort einfach wegzulassen ist aber sicher nicht der richtige Weg. Wenn ein Hersteller von vornherein schon der Ansicht ist, das die Piloten mit seiner neuen Entwicklung selbst im Rahmen eines Sicherheitstrainings nicht zurechtkommen, dann hat er augenscheinlich am Kundenwunsch, der immer auch beherrschbare Flugleistung enthält, vorbei entwickelt.
 


Ich bin der Ansicht, bei nach EN oder LTF geprüften Gleitschirmen muss ein Gleitschirmpilot mit und ohne Stäbchen mit Kappenstörungen zurechtkommen können, wenn er mit Bedacht, das heißt systematisch und stufenweise an die Manöver herangeht, bzw. herangeführt wird wie das z.B. in unserem Sicherheitstraining der Fall ist.


(Walter Schrempf leitet seit 1989 die Sicherheitstrainings am Hallstättersee. Er kennt die Geräteentwicklung seit Beginn des Gleitschirmfliegens. Seit 1996 gibt es am Hallstättersee auch Freestyle- und Acrobasiskurse)

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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