Flugschule Sky Club Austria, First international Paragliding School

Stellungnahme zum Absturz eines Paragleiters im Sicherheitstraining am Hallstättersee

Am 4. 8. 2016 stürzt der Paragleiterpilot Nico van Ravenstein (geb. 19.6.1952) mit seinem Paragleiter Ozone Buzz Z 3 nach einem Segelverhänger in den Hallstättersee und verletzte sich dabei schwer.

Details zum Unfall:

Beim Manöver "Rollen" kommt es zu einem seitlichen Einklapper mit "Verhänger" der Kappe, welcher zu einem Spiralsturz führt. Fluglehrer Stefan Morocutti gab am Funk die Anweisung den Schirm zu bremsen. Als keine deutliche Reaktion des Piloten erkennbar war, gab der Fluglehrer energisch, deutlich und ständig wiederholend die Anweisung den Rettungschirm zu werfen! Der Pilot löste sein Rettungsgerät nicht aus, was schlussendlich zu einem harten Aufschlag im Wasser führte. Der Pilot wurde von der am See in der Nähe des Absturzes bereitstehenden Wasserrettung innerhalb von 3 Minuten aus dem See geborgen, vom alamierten Notarzt erstversorgt und anschließend vom Hubschauber in das LKH Salzburg geflogen.

Auswertung des Videos:

Eine genauere Analyse bei Auswertung des Videos zeigte:

Der Pilot steigt bei hohem Rollen (Wingover) zu hoch auf und entlastet dabei den Außenflügel. Dadurch kommt es zu einem Klapper der verhängt. Im Video ist ersichtlich, dass der Pilot zu bremsen versucht, wie es ihm per Funk angewiesen wurde, doch offensichtlich nicht ausreichend. Eine Reaktion auf die Anweisung, das Rettungsgerät auszulösen ist nicht erkennbar. Vom Zeitpunkt der ersten Anweisung das Rettungsgerät auszulösen bis zum Aufschlag vergingen mehr als 10 Sekunden, währendessen die Funkanweisung, das Rettungsgerät auszulösen, etwa 10 mal permanent wiederholt wurde. Dabei blieb der Paragleiter in einem stabilen Spiralsturz, dessen Sinkwert zuerst minimiert war, kurz vor dem Aufschlag jedoch deutlich zunahm. Der Pilot zog sich beim Aufprall Serienrippenbrüche und sonstige schwere Verletzungen zu. Der Segelverhänger ereignete sich ca. 500 m über dem See.

Ursache des Flugunfalles:

Spiralsturz nach einem Segelverhänger - keine Auslösung des Rettungsfallschirmes. Warum der Pilot das Rettungsgerät nicht ausgelöst hat ist bis Dato ungeklärt. Der Pilot ist auf einer Intensivstation,  aber wieder ansprechbar und befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Walter Schrempf                                                                                 Gröbming, am 5.8.2016


Erfahrungen aus dem Sicherheitstraining

Sky Club Austria

Beim Gleitschirmfliegen wird das Fluggerät aus  dem Gleitschirm, dem Gurtzeug und dem Piloten gebildet.

Beim Gleitschirmfliegen wird daher das Flugverhalten nicht durch den Gleitschirm alleine, sondern erst durch die Gesamtheit von "Gleitschirm – Gurtzeug - Pilot" bestimmt.

Jede Zusammenstellung ergibt ein eigenes, einzigartiges Fluggerät mit einem eigenen Grenzflugverhalten.

Das persönliche Sicherheitstraining ist daher durch nichts zu ersetzen.

Walter Schrempf

Workshop-Safety Training für aktuelle Hochleister

8.-9. August 2014

Wir entwickelten im Rahmen einer für alle Beteiligten hochinteressanten Fachdiskussion gemeinsam ein auf Pilot und Gerät abgestimmtes Sicherheitstrainingsprogramm unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse.

Mitglieder der Fachdiskussion waren der Xalps Teilnehmer und Profi-Testpilot Christian Amon, der Fluglehrer, Acro- und Ice-Peak Pilot Stefan Rupp, die Sicherheitstrainer Walter Schrempf und Stefan Morocutti, sowie die begeisterten Niviuk Peak Piloten Markus und Thomas Tranninger..

stefan
Stefan Morocutti
Stefan Rupp

Hier die wichtigste Erkenntnis: 

Moderne Zweileiner Schirme sind wunderschön zu fliegen und sehr klappstabil. Aber wenn sie einklappen sollte der Pilot zur Störungsbehebung den Fullstall beherrschen.

Unsere Empfehlung:

1. Sicherheitstraining mit konventionellem Gleitschirm.

2. Selbständiges Fullstall Training mit konventionellen, einfachen Gleitschirmen.

3. Fullstall Training mit dem Zweileiner bis zur Perfektion..

Walter Schrempf im Interview mit Ben Liebermeister  DHV-Info

Ben: Umschreibe bitte in kurzen Worten Deine Philosophie:

Wir sind ein „Professional Safety Trainingscenter“. Wir sind mit der aktuellen Gerätetechnik up to date. Alles was ein Gleitschirmpilot in Bezug auf Flugtechnik und Sicherheit wissen möchte, kann er bei uns unter optimalen Rahmenbedingungen erfahren, lernen und üben.

Ben: Ab welchen Ausbildungslevel macht ein Sicherheitstraining Sinn?

Ich kenne keinen Ort in dem sich ein Gleitschirmpilot das handwerkliche Geschick für sicheres Fliegen schneller und gefahrloser aneignen kann, als im Rahmen des Sicherheitstrainings. Ein Sicherheitstraining kann man daher nicht früh genug besuchen. Der ideale Zeitpunkt für das erste Sicherheitstraining wäre gleich nach dem Kauf der ersten eigenen Flugausrüstung.

Ben: Welche Manöver oder Flugfiguren haben sich als Trainingsschwerpunkte herausgestellt? Wo haben die meisten Piloten Defizite?

Ein Sicherheitstrainingsprogramm wird auf die Wünsche des Piloten und die Bedürfnisse der Flugausrüstung abgestimmt. So entsteht bei jedem Teilnehmer ein individuelles Trainingsprogramm mit individuellen Schwerpunkten. Diese müssen dann während des Trainings dem Übungserfolg angepasst werden.
Aber es gibt natürlich auch ein standardisiertes Programm mit standardisierten Schwerpunkten. Bei Piloten mit neuem Gleitschirm gehört auf jeden Fall zu einem Sicherheitstraining den für Pilot und Gerät am besten geeigneten Schnellabstieg herauszufinden. Die Manöver dazu sind Spiralen, Big-Ears, B- und C-Stalls. Bei Piloten mit Liegegurtzeugen sind zum Beispiel Übungen zur Vermeidung von Twist standardisierter Schwerpunkt. Schwerpunkt im Sicherheitstraining ist natürlich auch, möglichst jedem Teilnehmer den grundsätzlichen Bewegungsablauf auf Kappenstörungen zu vermitteln bzw. in Erinnerung zu rufen. Die Manöver dazu sind alle Formen von Segeleinklapper, bzw. Flugmanöver, die zu Segeleinklappern führen, wenn der Pilot nicht eingreift.
Defizite gibt es bei Lernenden naturgemäß überall, denn „Können“ ist und bleibt nun mal das Resultat aus „Wissen mal Übung“. Das hauptsächliche und alle Gleitschirmpiloten gleichermaßen betreffende Defizit liegt beim Umgang mit Kappenstörungen wohl immer im Timing: Wann Bremsen, wann nicht.


Ben: Die Schirmentwicklung hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. „Ohne Stäbchen geht nichts mehr“ sagt uns die Werbung. High-End-B-Geräte haben eine Leistung wie Hochleister vor wenigen Jahren. Welche Erfahrungen habt Ihr mit den aktuellen Schirmen gemacht?

Die Flugleistung steigt jedes Jahr. Damit leben wir seit 25 Jahren. Im Sicherheitstraining wirkt sich das nicht unbedingt nachteilig aus. Geprüfte Gleitschirme sind trotz gestiegener Leistung beherrschbare Gleitschirme mit einem überschaubaren Extremflugverhalten geblieben. Die stetig steigende Flugleistung wird für manche Piloten eher im praktischen Flugbetrieb zum Problem. Nicht runterkommen können, Landeplatz wird zu klein usw. usw.
Im Sicherheitstraining haben wir mit den neuen Schirmen bis jetzt noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, auch nicht mit den Stäbchenschirmen. Doch das eher deshalb, weil wir dank guter Kontakte zu Herstellern und Testpiloten vorbereitet waren. Richtig eingeleitet, blieben die im Training provozierten Flugmanöver von den Teilnehmern daher auch mit den Stäbchenschirmen durchwegs beherrschbar.


Ben: In Betriebshandbüchern raten Hersteller z.T. ab, mit den Schirmen ein Sicherheitstraining oder bestimmte Manöver eines Trainings zu absolvieren. Was haltet Ihr davon?

Im Zeitalter von YouTube ist das verständlich, denn nicht in allen Sicherheitstrainings wird mit dem nötigen Hintergrundwissen, dem daraus resultierenden Mangel an Vorstellungskraft und Respekt vor Neuem trainiert. Wenn ein Pilot bei einem Schirm mit langen Stäbchen mit roher Gewalt einen großflächigen Einklapper herunterreißt, ist das was kommt, in den seltensten Fällen eine gute Werbung für den Hersteller.
Einem Gleitschirmpiloten deswegen vom Sicherheitstraining abzuraten oder zu empfehlen, bestimmte Manöver dort einfach wegzulassen ist aber sicher nicht der richtige Weg. Wenn ein Hersteller von vornherein schon der Ansicht ist, das die Piloten mit seiner neuen Entwicklung selbst im Rahmen eines Sicherheitstrainings nicht zurechtkommen, dann hat er augenscheinlich am Kundenwunsch, der immer auch beherrschbare Flugleistung enthält, vorbei entwickelt.
 


Ich bin der Ansicht, bei nach EN oder LTF geprüften Gleitschirmen muss ein Gleitschirmpilot mit und ohne Stäbchen mit Kappenstörungen zurechtkommen können, wenn er mit Bedacht, das heißt systematisch und stufenweise an die Manöver herangeht, bzw. herangeführt wird wie das z.B. in unserem Sicherheitstraining der Fall ist.


(Walter Schrempf leitet seit 1989 die Sicherheitstrainings am Hallstättersee. Er kennt die Geräteentwicklung seit Beginn des Gleitschirmfliegens. Seit 1996 gibt es am Hallstättersee auch Freestyle- und Acrobasiskurse)

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sky Club Austria

A-8962 Gröbming Moosheim 113  Tel. +43 (0)3685 22333
office@skyclub-austria.at

Buchung Tandemflüge: +43 (0) 699-12 33 22 11

Drucken | Seite empfehlen | Login | Impressum